Interview mit LaToya Manly-Spain von „Lampedusa in Hamburg“

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LaToya ist aktiv in der Karawane in Hamburg. Sie gehört zum engeren Unterstützer*Innenkreis von „Lampedusa in Hamburg“

Seit wann bist du politisch aktiv?
So etwa seit acht Jahren. Ich kam dazu aus eigener Erfahrung. Ich bin selbst Flüchtling aus einem Land in dem es Krieg gab, Sierra Leone, und war immer damit konfrontiert. Die Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen mache ich seit ungefähr den letzten fünf Jahren.

Was hat dich politisch geprägt?
Ich selbst hatte Glück. 1992 bin ich nach Deutschland gekommen und mein erstes Visum war für mein Studium, deshalb musste ich keinen Asylantrag stellen. Vorher hab ich ein soziales Jahr gemacht, bin zurück nach Sierra Leone gegangen und da war Krieg und du fragst dich: Das war so ein wunderschönes Land, davor immer friedlich und hat so viele Reichtümer, ist aber trotzdem ein verarmtes Land. Jetzt ist meine Familie über die ganze Welt verstreut. Mein Ex-Mann hat auch hier gelebt. Das mit Visum und Aufenthalt waren natürlich auch in der Familie unheimlich schwierig. Ich war sechs Jahre hier bevor, ich arbeiten durfte.

Was motiviert dich?

Das ist einfach: Das zu tun, was ich für richtig halte. Ich erinnere mich: Als ich nach Deutschland kam, hatte ich eine ältere Freundin, eine Jazzsängerin, und ich hatte immer gute Ideen. Ich wollte so viel machen. Einen Kinderchor gründen, weil denen hier die Musik fehlt. Und meine Freundin hat immer gesagt: „Warum machst du das nicht?“. Ich hab viel genörgelt, hab mir gedacht :„aber ich bin doch keine Chorleiterin“, „aber ich bin doch keine Politikerin, ich kann doch gar nicht genug Deutsch“. Dann hab ich gemerkt: das macht doch keiner. Ich hab mit Freunden darüber gesprochen und irgendwann kamen sie auf mich zu und sagten: „Hey, du wolltest doch das und das machen“. Und wenn man anfängt es zu tun, merkst du, du bist nicht allein, dass die anderen sich der selben Sache verpflichtet haben. Das ist sehr bereichernd. Ich hab gemerkt: Was mir wirklich Kraft gibt ist, dass ich überzeugt bin von dem, was ich tue. Mein Herz ist dabei, meine Seele ist dabei, das ist ein tolles Gefühl. In dem Moment ist das Ziel nicht wichtig. Schwierig finde ich, wenn man dann denkt: „Ich glaube nicht, dass die Regierung einlenkt“. Es ist schwierig sich einzusetzen, wenn man nicht dran glaubt dass es klappen könnte. Man muss für das eintreten was richtig ist, der Rest kommt später.

Was wünschst du dem Hamburger Senat zu Weihnachten?

Dem Hamburger Senat wünsche ich Liebe. Dass sie wirkliche Liebe erfahren und wie bereichernd das ist. Und Menschlichkeit. In Südafrika gab es einmal einen General, der dafür verantwortlich war, dass sehr viele Menschen umgebracht wurden. Als das zu Ende war, war er einer der wenigen, die verurteilt wurden. Im Gefängnis haben ihn die Frauen der Männer, die er auch durch Folter umgebracht hatte, besucht. Er hat sich entschuldigt und viel geweint. Eine von ihnen sagte, sie konnte ihm nicht in die Augen sehen und hat geweint. Sie hat gesagt, dass sie gemerkt hat, dass sie um ihn getrauert hat , um die Reue mit der er leben muss. Immer wenn man ihn nach den Toten gefragt hat, hat er geweint und gesagt, er wünschte er könnte alles zurücknehmen, aber dass das nicht mehr geht, und jetzt muss er damit leben. Ich wünsche Menschen wie den Politikern im Hamburger Senat, dass sie aufwachen und sich ansehen müssen und merken, dass sie schuldig das Leben von anderen Menschen zerstört haben. In den Gesprächen mit den Politikern waren sie immer nett. Neumann ist selbst mit einer Türkin verheiratet und sagt er sei kein Rassist. Privat sind das bestimmt nette Menschen. Aber wenn die menschliche Komponente bei politischen Entscheidungen nicht wichtig ist, dann werden die Politiker zu Monstern.


Wenn ihr mehr zu Lampedusa in Hamburg lesen wollt:
http://lampedusa-in-hamburg.tk/

Zum Hamburger Schulstreik für Bleiberecht:
http://schulstreikbleiberechthh.wordpress.com/